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17März2016

Diesen Einsatz vergisst so schnell Niemand!

Kommandant der Feuerwehr Bad-Aibling spricht über das Zugunglück vom Februar

Zur Fortbildungsveranstaltung für die Führungskräfte von Polizei, der Hilfsorganisationen, THW und Feuerwehr begrüßte am Samstag, den 12. März 2016 in der Südspessarthalle in Collenberg Kreisbrandrat Meinrad Lebold neben den Teilnehmern der lokalen Hilfsorganisationen besonders den Kommandanten der Freiwilligen Feuerwehr Bad Aibling, Wolfram Höfler, der nach der Mittagspause in beeindruckender und bewegender Weise den Einsatz bei dem verheerenden Zugunglück in Bad Aibling am 09. Februar von Seiten der Feuerwehr schilderte.

Gebannt verfolgten die Anwesenden seine Ausführungen vom Beginn des Einsatzes mit dem Videofilm seiner Anfahrt zum Einsatzort und der Feststellung der besonderen Lage an dem unübersichtlichen und schwer zugänglichen Einsatzort. Bei dem Zugunglück waren zwei Züge der Oberlandbahn frontal zusammengeprallt. 11 Tote und viele Schwerverletzte waren zu beklagen. Wolfram Höfler berichtete aus der Sicht der Feuerwehr die Ordnung des Raumes mit Bereitstellung der eingesetzten Kräfte und dem Einsatzablauf vor Ort. Kopfschütteln bereitete vor allem seine Ausführungen über die Schwierigkeiten seiner Feuerwehr mit den eigenen Lokalpolitikern und der Presseberichte. Er berichtete besonders auch von der schweren physischen und vor allem psychischen Belastung seiner Kameraden, von denen viele traumatisiert und teilweise immer noch krankgeschrieben sind. Am Ende seiner Ausführungen erhoben sich alle Anwesenden und spendeten minutenlang Beifall, was er sichtlich gerührt und dankbar entgegennahm.

Als ersten Vortrag nach der Begrüßung durch Meinrad Lebold und dem Grußwort von Bürgermeister Karl-Josef Ulrich zeigte Tierärztin Inka Eilbacher vom Veterinäramt des Landratsamtes Miltenberg in ihrer Präsentation Allgemeines zum Umgang mit Tieren, wie Rinder, Pferde, Schweine, Schafe, Ziegen, Schlangen, Hunde und Katzen bei einem Feuerwehreinsatz. Sie informierte über Grundsätze jeder Tierbegegnung bei fremden Tieren und Tieren in Stresssituationen, deren Verhalten nicht vorhersehbar ist. Dabei ist die eigene Körpersprache und die Reaktion des Tieres zu beachten. Wenn möglich sollte auf Martinshorn, Blaulicht, Helme und auffällige Schutzkleidung verzichtet werden. Sie gab Tipps zum Einfangen von entlaufenen Tieren und zu Maßnahmen bei Verkehrsunfällen, Stallbränden und bei einer Tierrettung, zum Beispiel wenn ein Rind in eine Grube gefallen ist und sich nicht mehr selbst befreien kann.

Anschließend informierte Kreisbrandrat Lebold über das vom Freistaat Bayern beschaffte Wasserfördersystem Hytrans, das zusammen mit einem FloodModul und einem Verstärkerpumpensatz noch in diesem Jahr bei der Feuerwehr Großwallstadt stationiert werden wird. Kreisbrandinspektor Johannes Becker stellte dazu den Entwurf einer Broschüre vor, die das System und die Einsatzmöglichkeiten im Landkreis als auch überregional beschreibt. Dabei ist auch die Zuarbeit der einzelnen Feuerwehren gefragt, um die möglichen Einsatzbereiche zusammen mit der Kreisbrandinspektion auszuarbeiten.

In seiner Präsentation über das Be- und Entlüften von Einsatzstellen spannte Kreisbrandinspektor Hauke Muders einen Bogen über die historische Entwicklung bis hin zu den heutigen Anforderungen, die Einsatztaktik bei Flach- und Satteldächern sowie die Einsatzmöglichkeiten, Fehler und Nutzen der taktischen Belüftung. Er gab einen Überblick über die Thermodynamik und erläuterte die Rauchschichtexplosion, die Rauchexplosion und die Druck- und Überdruckentrauchung anhand von ausgewählten Beispielen.

Nach der Mittagspause begrüßte Kreisbrandrat Meinrad Lebold den kurz zuvor erschienen Landrat Jens-Marco Scherf, der in seinem Grußwort allen Teilnehmern für die geleistete Zeit für die Teilnahme an der Fortbildung dankte. „Es reicht ein Anruf und die Hilfe kommt – 24 Stunden jeden Tag“, so sagte er und berichtete über die finanziellen Mittel von 1 Mio Euro, die der Landkreis für den Brand- und Katastrophenschutz im letzten Jahr ausgegeben hat. Scherf sprach über die Verantwortung der Führungskräfte für die zu rettenden Mitbürger sowie die eigenen Einsatzkräfte, die in wenigen Momenten die richtigen Entscheidungen treffen müssen.

Nachdem Kreisbrandmeister Martin Spilger über die in 2015 durchgeführten und die in diesem Jahr geplanten Planspiele informierte, gab Meinrad Lebold noch einige Informationen über verschiedene wichtige Themen bekannt. So wird im März eine Schulung über Kettenrettung an verunfallten Fahrzeugen am Rüstwagenstandort in Wörth durchgeführt, die als Option zu sehen ist, aber durch Vor- als auch Nachteile allerdings kein Allheilmittel darstellt. Interessierte Feuerwehren sollen sich melden, wobei auch an den anderen beiden Standorten in Großheubach und Collenberg die gleichen Schulungen zu einem späteren Zeitpunkt vorgesehen sind.

Er berichtete über die Probleme mit dem Flüsterasphalt bei der Bildung von Blitzeis. Der oftmals auch verwendete Split-Mastik-Belag wie z. B. zwischen Eichelsbach und Sommerau zeigt ähnliche Effekte. Er nimmt zwar besser die Geräusche und auch Wasser auf, braucht aber bei Frost mehr Tausalz zur Beseitigung der Eisglätte.

Die Hilfeleistungskontingente werden zurzeit überprüft und neu beplant, da sich in der Technik, bei den Fahrzeugen und den Mannschaften Änderungen ergeben haben. So wird als ein Anhang zum Standard-Hilfeleistungskontingent auch ein Kontingent für Waldbrände aufgestellt. Dazu wird es vom 10. bis 11. September zusammen mit dem Landkreis Aschaffenburg eine Kontingentübung im Rhein-Hunsrück-Kreis geben, an der ca. 250 Einsatzkräfte vom Untermain teilnehmen werden.

Als ein weiteres wichtiges Thema sprach er Flüssig- oder Autogas an, das als Alternativer Antrieb in diversen Fahrzeugen verbaut ist. Er berichtete von einem Unfall mit einem gasangetriebenen Fahrzeug, das durch die Explosion des Gastanks infolge eines defekten Sicherheitsventils mehrere Feuerwehrleute verletzt hat. Er wies darauf hin, dass bei einem derartigen Fahrzeugbrand nach dem Ansprechen des Sicherheitsventils des Gastanks, der oft in der Reserveradmulde eingebaut ist, eine Stichflamme am Heck austritt und Einsatzkräfte verletzen kann.

Als letzten Punkt informierte er die Teilnehmer über eine Arbeitsgruppe, die zurzeit ein Stufenkonzept zum Einsatz von Schaum als Löschmittel ausarbeitet.

Zum Ende der Fortbildung dankte er allen für ihre Teilnahme, den Referenten für ihre interessanten Vorträge, der Gemeinde Collenberg für die Nutzung der Halle sowie der Feuerwehr Collenberg für die Organisation und die Bewirtung.

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