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27März2017

Intensives Jahr für die Feuerwehren

Das abgelaufene Jahr war auch für die Feuerwehren im Landkreis Miltenberg ein arbeitsreiches. Kreisbrandrat Meinrad Lebold berichtete in der Kommandantentagung der Feuerwehren am Sonntagmorgen in Leidersbach von intensiven Einsätzen. Thema war auch die gesetzlich festgelegte Ehrenamtlichkeit des Kreisbrandrats.

Nach dem Totengedenken stellte Landrat Jens Marco Scherf die hohe Sachkompetenz und große Leidenschaft der Hilfskräfte heraus. Besonders der extrem anspruchsvolle Einsatz im ICO habe die große Bedeutung der Wehren deutlich werden lassen. „Mehrere Tage unter höchsten Gefahren und Belastungen waren Sie im Einsatz, um Menschen zu schützen, den Schaden zu begrenzen und damit zwei für die Wirtschaftsstruktur enorm wichtige Unternehmen zu retten“, lobte er. „Sie haben gezeigt, dass unsere freiwilligen Feuerwehren höchsten Ansprüchen genügen und die höchsten Anforderungen erfüllen“, so Scherf. Man müsse sich verdeutlichen, was die Aktiven körperlich und psychisch leisten, verwies er auf die schwierigen Leistungen – und dies alles ehrenamtlich und rund um die Uhr.

Laut Scherf ist die in München getroffene Entscheidung sachlich schwer nachzuvollziehen, dass die Tätigkeit der Kreisbrandräte weiterhin ehrenamtlich geleistet werden soll, vor allem beim Blick auf die immer größer werdenden Anforderungen. „Alle Möglichkeiten von Freistellung oder Veränderungen der Arbeitgeber-Situation sind Einzelkonstrukte und verändern nichts an der insgesamt problematischen Situation, wenn die zeitlichen und fachlichen Anforderungen die Ehrenamtlichkeit dauerhaft überfordern“, steht für den Landrat fest. Kreisbrandrat Lebold erlebe Tag für Tag den kaum zu lösenden Widerspruch zwischen den Anforderungen seines Arbeitsgebers, des Marktes Großheubach, und denen seiner ehrenamtlichen Tätigkeit des Kreisbrandrates.

Er bat die Kommandantinnen und Kommandanten, von Lebold keine Rund-um-die-Uhr-Verfügbarkeit zu erwarten für Fragen, die nicht zeitkritisch sind. Damit die extrem hohe Einsatzbereitschaft Lebolds erhalten werden kann, sei eine enge und vertrauensvolle Zusammenarbeit notwendig zwischen Landrat, Kreisbrandrat, Kreisbrandinspektion und Landratsamt. Deshalb habe man im Landkreis ein gut ausgestattetes Sachgebiet mit den drei Fachkräften Bernd Hofmann, Joachim Hörst und Martin Selonke. Es gelte, diese Ressourcen künftig noch besser zu nutzen, sagte. Seit letztem Jahr habe das Landratsamt zugesagt, die komplette Zuarbeit für Lebold zu übernehmen, sagte der Landrat, der bei den regelmäßigen Abstimmungsgesprächen dabei ist. Eine weitere Verbesserung sei unter anderem, dass eine Bau-Ingenieurin in der Bauabteilung des Landratsamts Fachkenntnisse im Bereich des vorbeugenden Brandschutzes habe, um Lebold zu entlasten. „Wir werden auch prüfen müssen, inwiefern im vorbeugenden Brandschutz in der Bauabteilung oder durch die neu geschaffene Möglichkeit im Gesetzentwurf durch sogenannte Fach-Kreisbrandinspektoren unser Kreisbrandrat effektiv entlastet werden kann“, stellte Scherf fest.

Der Landrat lobte darüber hinaus die Bereitschaft der Wehrleute zur Fort- und Weiterbildung und führte aus, dass dieses hohe Engagement auch dem Kreistag eine Verpflichtung sei. So habe dieses Gremium 2016 zahlreiche Beschaffungen für den überörtlichen Brand- und Katastrophenschutz genehmigt, listete er unter anderem eine Drohne, einen Großlüfter, einen Versorgungslastwagen und eine Sandsackabfüllanlage auf. Im aktuellen Kreishaushalt seien rund 800.000 Euro eingestellt, denn auf der Beschaffungsliste der Kreisbrandinspektion stünden unter anderem ein Wechsellader-Lastwagen, ein Mehrzweckboot und Abrollcontainer.

Bevor Meinrad Lebold die Arbeitsstatistik des letzten Jahres vorstellte, nahm er kurz zu seiner ehrenamtlichen Arbeit als Kreisbrandrat Stellung. Er sprach von einem ständigen Spagat, den er schaffen müsse. Das betreffe etwa Gespräche zum vorbeugenden Brandschutz mit Architekten, die fast immer tagsüber stattfinden, wenn er, Lebold, eigentlich für den Markt Großheubach als Leiter des Bauhofs tätig sein müsse. Trotz seiner Ehrenamtlichkeit müsse er aber „den Kopf hinhalten“, wenn etwas passiert, denn er habe die Fachaufsicht. Er bräuchte für die Aufgabe als Kreisbrandrat eigentlich mehr Zeit als bisher, stellte er fest.


Über ein intensives Jahr 2016 informierte Kreisbrandrat Meinrad Lebold (am Mikrofon) die Teilnehmer der Kommandantentagung in Leidersbach.

Die Freiwilligen Wehren hätten 2016 insgesamt 1378 Einsätze gemeistert, sagte er. Über die Hälfte – 763 – seien technische Hilfeleistungen gewesen, gefolgt von 192 Fehlalarmen und 148 Bränden. Die Werkfeuerwehren seien 820 mal ausgerückt, 348 mal hätten sie Brandsicherheitswachen geleistet. Lebold ging auch auf den Einsatz im ICO ein, der dank technischer Unterstützung der Feuerwehren Aschaffenburg und Frankfurt gemeistert worden sei. Der Einsatz sei von zahlreichen Schwierigkeiten begleitet gewesen, blickte er zurück. Bewährt habe sich der Abrollcontainer Sonderlöschmittel, sagte er und zog einen Schluss: „Die Logistik muss bei solchen Einsätzen sehr gut vorbereitet sein.“

Auch die Fort- und Weiterbildung habe wieder einen hohen Stellenwert gehabt, machte Lebold an bislang 147 erfassten Teilnehmern deutlich – er rechnet aber mit bis zu 180. An den Leistungsprüfungen hätten im Bereich Nord 180 Feuerwehrleute teilgenommen, im Bereich Süd 207. Lebold erinnerte zudem an zwei Planübungen sowie an ein Planspiel.

Er gab einen Überblick über die Indienststellungen zahlreicher Fahrzeuge und Gerätschäften, mit denen die Leistungsfähigkeit der Wehren deutlich erhöht worden sei. Der Digitalfunk sei landkreisweit eingeführt worden, sagte der Kreisbrandrat, die Alarmierung sei für 2018 angekündigt. „Das war ein sehr hoher Aufwand“, bilanzierte Lebold, „aber wir haben das gut gemeistert.“ Allerdings gebe es noch Hinweise auf Funklücken – etwa in Breitendiel und Wenschdorf. Die Fachberater Simone Rohr und Christopher Braun hätten sich bewährt, fand Lebold.

Die Zahl der Aktiven im Landkreis sei von 2015 auf 2016 von 2809 auf 2799 gesunken, bedauerte er, allerdings zeige sich ein Aufwärtstrend bei den Jugendlichen. Hier sei die Zahl der unter Zwölfjährigen binnen Jahresfrist von 113 auf 135 gestiegen, die der über Zwölfjährigen von 435 auf 448. Damit sei der Rückgang gestoppt, ergänzte Kreisjugendwart Kilian Hein und gab einen Überblick aller Fortbildungen und abgelegter Jugendleistungszeichen und Jugendleistungsspangen. In 2017 sei wieder das Dreiländertreffen der Jugendwehren geplant, ebenso wolle man erneut ein Jugendzeltlager vom 15. bis 18. Juni in Hausen veranstalten.

Neues gab es auch von der Integrierten Leitstelle Aschaffenburg zu vermelden. Deren Leiter Marc Weigand erklärte, dass er im März 2019 Leiter der Feuerwehr Aschaffenburg werde. Deshalb werde er nun ein Jahr lang einen Lehrgang besuchen, so dass in dieser

Zeit Ralf Braun und Andreas Franz für die Leitstelle verantwortlich seien. Nach einem Jahr werde er wieder zurückkehren, bis er die Leitung der Stadtfeuerwehr übernehmen werde.

Meinrad Lebold ging in der Folge kurz auf die geplanten Änderungen des Feuerwehrgesetzes ein. Weiter bat er die Gemeinden, wenn möglich, Sirenen weiter zu erhalten. Denn, so Lebold, trotz aller sozialer Netzwerke seien die Sirenen zur Warnung immer noch unentbehrlich. Welche verheerenden Folgen Starkregenereignisse haben können, wurde den versammelten Führungsdienstgraden in einem Film über die Katastrophe von Simbach am Inn vor Augen geführt. „Wir haben Seitentäler, in denen so etwas auch möglich wäre“, warnte Lebold.

Im Namen aller Feuerwehrleute überbrachte Kreisbrandinspektor Johannes Becker Dankesworte für Meinrad Lebolds geleistete Arbeit. „Ich weiß gar nicht, wann er schläft“, brachte er es auf den Punkt.

Zu Beginn der Versammlung, die musikalisch von der Trachtenkapelle Leidersbach umrahmt wurde, begrüßte Leidersbachs Bürgermeister Fritz Wörl die Versammlung. Wörl, der nach langer Krankheit wieder im Amt ist, wurde mit viel Applaus begrüßt. „Es macht wieder richtig Spaß, dabei sein zu können“, sagte er und dankte den Feuerwehraktiven für die Werte, die sie vertreten – für Selbstlosigkeit, Hilfsbereitschaft, Zuverlässigkeit und viele mehr. Nicht umsonst habe die Bevölkerung ein so hohes Vertrauen in die Feuerwehr, stellte er fest.

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